Der Reichstag ist eines der bekanntesten Gebäude Deutschlands. Und das nicht ohne Grund.
Gebaut zwischen 1884 und 1894 nach Plänen des Architekten Paul Wallot, war er von Anfang an umstritten. Kaiser Wilhelm II. hasste ihn. Er nannte das Bauwerk abfällig einen „Reichsaffenkasten": zu aufwendig und zu pompös für seinen Geschmack. Trotzdem zog das deutsche Parlament 1894 dort ein.
1933 brannte der Reichstag. Die Nazis nutzten das Feuer als Vorwand, um politische Gegner zu verfolgen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, nach der Teilung Berlins stand es jahrzehntelang leer — direkt an der Mauer, auf Westberliner Seite, von niemandem wirklich gebraucht.
Erst nach der Wiedervereinigung bekam der Reichstag seine Rolle zurück. Und bevor die berühmte Kuppel gebaut wurde, verhüllte Christo das Gebäude. Zwei Wochen lang im Sommer 1995, war der Reichstag in 100.000 Quadratmeter silbrig-glänzendes Polypropylengewebe eingewickelt. Christo hatte für dieses Projekt über 20 Jahre gekämpft, Anträge gestellt, Politiker überzeugt, war immer wieder gescheitert. Dann kam die Zustimmung des Bundestags — und plötzlich strömten fünf Millionen Menschen nach Berlin, um ein verhülltes Gebäude anzuschauen.
Foster baute das Gebäude zwischen 1994 und 1999 um. Sein bekanntester Eingriff: die gläserne Kuppel, die heute täglich Tausende von Besuchern anzieht. Man kann sie nach vorheriger Terminbuchung täglich kostenlos besichtigen, nach oben laufen und durch den Glaskegel hinunter in den Plenarsaal schauen. Der Gedanke dahinter war klar: Die Bürger sollen buchstäblich über die Politik stehen. Seit 1999 tagt der Bundestag wieder dort.
Vom Potsdamer Platz aus läuft man etwa zwölf Minuten zu Fuß, am Tiergarten entlang, bis man das wuchtige Sandsteingebäude vor sich sieht. Wer in Berlin ist und noch nie dort war: Es lohnt sich.

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